Backup selbstgemacht


Geht es Euch so wie mir? Habt ihr auch ewig viele Fotos, MP3s oder ähnliches wovon Ihr Euch nur schwer trennen könnt, Dateien wo ein Verlust wirklich dramatisch wäre? Speziell meine Fotos, die mittlerweile bis ins Jahr 2002 zurückreichen, hüte ich wie meinen Augapfel. Auch wenn man die Ereignisse noch im Kopf hat, ich möchte mir nicht ausmalen, was passieren würde, wenn ich diese Fotos zu verlieren würde!

Als kleines Schmankerl hier ein Foto vom Teneriffa Urlaub im März 2002, in dem ich mir meine erste Digitalkamera gekauft habe, für mich der Startschuss in die digitale Fotografie! Damals hatte ein Foto gerade mal 200kB, aber mit den Jahren kamen die Megapixel und letztendlich die Rohdaten und die fressen schon richtig Speicherplatz!

Die Hardware

Jedenfalls hab ich mir was überlegt, wie man die Fotos am besten sichern könnte. Am einfachsten ist sicher die Anschaffung eines NAS, in dem die Daten gespiegelt auf zwei Festplatten verteilt werden. Dies hat auch den Vorteil das man von jedem Rechner, sei es im Inter- oder Intranet darauf zugreifen kann. Preislich ist dies natürlich keine günstige Anschaffung, dafür hat man Platz ohne Ende und kann dies auch relativ einfach erweitern. Leider bin ich in unserer Wohnung auf die Nutzung von WLAN angewiesen und damit macht die der Zugriff auf das NAS nur sehr begrenzt Spass. Zudem müssen die Daten nicht zwangsläufig allen Computern zur Verfügung stehen, denn meine Fotos befinden sich nun mal auf meinem großen Rechner und auf dem 13 Zoll MacBook fang mit der Bearbeitung gar nicht an.

Durch Zufall bin ich dann in der Arbeit auf eine eSATA Docking Station aufmerksam geworden, in die man eine SATA Platte einstecken kann. Da mein aktuelles Board einen solchen Stecker anbietet und ich noch eine alte SATA Platte daheim rumliegen habe, waren schon mal alle technischen Voraussetzungen gegeben, damit das Backup zu realisieren. Besonders das die Platte nicht ständig am Rechner angeschlossen ist sehe ich als großen Vorteil bei dieser Lösung!

Die Software

Nur wie kommen jetzt meine Dateien auf die Platte? Anfangs habe ich es mit der Sichern und Wiederherstellen Funktion von Windows versucht und gemerkt, das das was sich auf der Festplatte angehäuft hat nicht dem entspricht, was ich gerne sehen würde. Zudem frisst der Backup-Vorgang Ressourcen ohne Ende! Also bin ich davon nach einigen Wochen wieder abgekommen und hab mich auf die Suche nach einem neuen Tool gemacht und gelinde gesagt, die gibt’s wie Sand am Meer! Teilweise kostenlos, Shareware oder zum kräftig in die Tasche greifen. Ich habe dann einige davon ausprobiert und musste feststellen, das mich nichts davon so richtig überzeugte, um meine Daten von hier nach da zu schaufeln.

Später bin ich dann auf das Tool rsync gestoßen, das ja im Linux Bereich die Eierlegende Wollmilchsau darstellt, was das verschieben von Dateien angeht. Das Kommandozeilentool ermittelt hinzugefügte oder geänderte Dateien und stellt sicher das im Original und Backup Ordner die gleichen Dateien enthalten sind. Mit der Cygwin Umgebung lässt sich das Programm dann auch von Windows aus aufrufen, aber noch besser ist die integrierte Version die dann cwRsync heißt und von Sourceforge heruntergeladen werden kann. Damit hat man eine Windows Anwendung für rsync, die über eine Cygwin Umgebung direkt gestartet werden kann! Nun muss nur noch eine Batch-Datei mit den Aufrufen her und die Daten können gesichert werden! Die Referenz von rsync ist dabei recht gut dokumentiert. Für das Backup verwende ich die folgenden Optionen:

  • -r um die Ordner rekursiv zu sichern
  • -l damit symbolische Links auch kopiert werden (evtl. kann darauf verzichtet werden!)
  • -t um den ursprünglichen Zeitstempel der Datei zu erhalten
  • -v erweiterte Konsolenausgaben
  • -D erweiterte Einstellungen kopieren
  • –stats für die Ausgabe von Statistiken des Kopiervorgangs

Wichtig ist, das aufgrund der Cygwin Umgebung nicht einfach mit Laufwerksbuchstaben gearbeitet werden kann. Die Verzeichnisse müssen auf die cygdrives gemappt werden. Falls Leerzeichen in einem Verzeichnis enthalten sind, einfach den kompletten Pfad in Anführungszeichen setzen. Wichtig ist auch der abschließende Slash in der Pfadangabe!

Es ergibt sich dann z.B. für die Sicherung der Eigenen Dateien folgender Aufruf:
rsync -rltvD --stats "/cygdrive/c/Users/Flo/" "/cygdrive/k/Backup/Flo/"

Welche Dateien dabei wohin gesichert werden ist natürlich wahlfrei. Es können z.B. auch bestimmte Dateitypen ausgeschlossen werden, oder auch Dateien im Backup gelöscht werden, die im Original auch nicht mehr vorhanden sind – dies ist allerdings keine Default Einstellung!

Die Ausführung

Ist die Batch Datei hierfür einmal erstellt und werden alle Dateien gesichert wie man sich dies so vorstellt, kann man sich daran machen, das Skript automatisch ausführen zu lassen. Dazu ist die Windows Aufgabenplanung hilfreich, der ich mit Windows Vista das erste Mal begegnet bin. Dort kann man Aufgaben einstellen, die aus mehreren Aktionen bestehen können und diese bequem nach einem Muster ausführen lassen. Sehr praktisch ist die Aktion Dialog anzeigen, denn damit lässt sich die Ausführung sichtbar machen und man hat Zeit die Festplatte in die Docking Station zu stecken. Ein OK und schon rennt das Backup los. So wird die Sicherung jetzt jeden Sonntag um 19 Uhr ausgeführt und meine Daten sind vor einem möglichen Datencrash geschützt. Eventuell könnte man noch ausgewählte Dateien auf DVD brennen, aber das ist mir meistens zu viel Arbeit, weil doch einige DVDs zusammen kommen, will man 50 Gigabyte an Bildern sichern.

Ein Kommentar bei „Backup selbstgemacht“

  1. Kilian Ries sagt:

    Hab jetzt den Artikel nicht ganz durchgelesen, aber es gibt auch ein bisschen ein komfortableres Tool, welches ebenfalls auf rsync basiert, aber eine grafische Oberfläche mitbringt:

    http://qtdtools.doering-thomas.de/page.php

    Qtdsync
    Setze das bei meinem Windows PC und einer Linux SMB-Freigabe ein und es funktioniert ohne Probleme 😉

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